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2 Advent 2014

Möge ein blauer Himmel über dir lächeln und möge Gott dich lieben – an allen deinen Tagen.

Kapelle beim Schulhaus 14.01.2009 (2)

Er wollte Gott sehen

Es war einmal ein Herrscher, der viel erlebt hatte.
Nun wollte er unbedingt Gott sehen.
Und weil er ein absoluter Herrscher war, befahl er seinen Priestern und Weisen, ihm innerhalb einer festgelegten Frist diesen Wunsch zu erfüllen. Doch selbst der Weiseste von ihnen vermochte es nicht. Und so erwartete man voll Bangen die Strafe, die der König aussprechen würde.

Da kam ein Hirte vom Feld, der von des Königs Befehl gehört hatte und sagte:
„Erlaube mir König, den Wunsch zu erfüllen!“
„Gut“, entgegnete der König, „aber bedenke, es geht um deinen Kopf.“
Der Hirte führte den König auf einen freien Platz und zeigte ihm die Sonne.
„Sieh hin“, sagte er. Der König hob seine Augen und wollte in die Sonne schauen. Aber der Glanz blendete ihn und er musste den Kopf senken und die Augen schließen.
„Willst du, dass ich erblinde?“ fragte er verärgert den Hirten.
„Aber König, das ist doch nur ein Teil der Schöpfung, ein schwacher Abglanz der Größe Gottes, ein kleines Fünkchen eines flammenden Feuers. Wie willst du mit diesen schwachen, tränenden Augen Gott sehen? Suche mit anderen Augen.“
Der Einfall gefiel dem König. Er sagte zum Hirten:
„Ich erkenne deinen Geist und sehe die Größe deiner Seele. Antworte nun:
„Was war vor Gott?“
Nach einigem Nachdenken meinte der Hirte:
„Bitte mein König werde nicht zornig, aber beginne zu zählen!“
Entschlossen sprach der König: „Eins, zwei, …“
„Nein“, unterbrach ihn der Hirte, „nicht so, fang mit dem an, was vor eins kommt!“
„Wie kann ich das denn? Vor eins gibt es doch nichts.“
„Sehr weise gesprochen, mein Herr! Auch vor Gott existiert nichts.“
Diese Antwort gefiel dem König noch besser als die erste.
„Ich werde dich reich beschenken, zuvor aber beantworte mir noch eine dritte Frage:
„Was macht Gott?“

Der Hirte sah, dass sich des Königs Herz geöffnet hatte, und sagte:
„Gut, auch darauf will ich dir antworten. Nur eines bitte ich dich: Lass uns für kurze Zeit die Kleider tauschen.“
Der König willigte ein, und sie wechselten die Kleider. Da sprach der Hirte schlicht und feierlich:
„Das macht Gott! Er stieg vom Thron seiner Erhabenheit und wurde einer von uns. Er gibt uns, was er hat, und nimmt das an, was wir haben und sind!“

(Leo Tolstoi)

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